.. oder nicht?

Ludwigsburg: einfach mal den Gedanken freien Lauf lassen.

Was bedeutet Yin und Yang im Alltag? Sollte man tatsächlich Wut, Hass und Zerstörung im Keim ersticken und wie kommt man die berühmte Wurzel des üblen Ursprungs heran? Steckt den wirklich so viel Grauen in Wut, Hass und Zerstörung?


Wut, Hass, Zerstörung im Grunde überhaupt nichts Schlimmes dabei. Es ist nichts Schlimmes daran, jemanden anzubrüllen und ihm seine Meinung ins Gesicht zu sagen. Genauso ist es keineswegs verwerflich mit einem Kissen seinen Partner einfach auf den Kopf zu hauen, wenn dieser mal wieder meint abzudrehen. Wut ist nicht schlimm. Genauso wenig wie Hass oder Zerstörung. Manchmal muss Zerstörung passieren, da sonst keine Chance auf Entwicklung besteht. Manchmal braucht es denn Hass, um die Liebe zu entdecken.

Mir hatte einmal jemand vor sehr langer Zeit – ha, schon mehr, als 8 Jahre her – gesagt: „Richte deine Wut nach Außen. Wurdest du verletzt, dann lass die Wut nicht an dir aus. Du hast das nicht verursacht. Lass die Wut an seinem Ursprung heraus. Nicht an anderen und schon gar nicht an dir.“

Als ich das hörte, wurde ich noch wütender. Was sagte sie da? Wie sollte ich das tun? Abgesehen von der Moral und Ethik, die mich davon abhielten einfach zu meinen Eltern, Lehrern, Mitschülern oder der Bäckersfrau zu gehen und sie anzubrüllen, wenn ich mich verletzt fühlte, war es unmöglich für mich die Wut an seinem Ursprung zu packen. Viele der Menschen waren nicht mehr in meinem Leben. Sollte ich sie etwa aufsuchen und ihnen erzählen: dann und dann habe ich mich so und so gefühlt und das hat dies sowie das in mir ausgelöst? Das wäre schwachsinnig. Allein die Zeit, die ich investieren müsste. Da wäre ich ja mein Leben lang damit beschäftigt irgendwelchen Menschen hinterherzurennen. Sollte das die Lösung für meine unkontrollierten Wutausbrüche und Hassanfälle sein?

Jahre vergingen und diese Aussagen ließen mich einfach nicht mehr los. Wie sollte ich das anstellen? Wie ist es möglich die aufkommende Wut im Ursprung zu befreien? Wie ist es möglich in der Sekunde der Verletzung drüber zu stehen und seinem Gegenüber den Schmerz mitzuteilen ohne ihn vor den Kopf zu stoßen? Ich hatte gelernt: Niemand verletzt einen anderen absichtlich, selbst wenn, es im ersten Augenblick danach scheint. Niemand.

Jeder Mensch reagiert doch auf angelernte Verhaltensmuster. Er agiert wegen seiner Gefühle. Manchmal sind es Impulse, die das Verhalten leiten und wieder manchmal der blinde Wille. Selten agiert man aus purer klarer Entschlossenheit, während im Hinterkopf die Konsequenzen berücksichtigt werden – mit allen erdenklichen Möglichkeiten. Das passiert selten und weil es so ist, kann ich niemanden einfach böse sein oder verletzt sein. Ich kann es schon, aber dann ist es meine Reaktion auf irgendetwas. Mein Gefühl und mein Ursprung.

Warum sollte ich jemand anderen seine Illusionen nehmen oder ihn auf etwas hinweisen, wenn es nichts an seinem oder ihrem Charakter ändert und schon gar nicht an der Vergangenheit?

In der Mitte, starke Frauen, starke Persönlichkeiten Yin Yang, Böse und Gut, Eins sein, Wut Ärger
Bist du in deiner Mitte? Was will dir dein Gefühl sagen? Illustration: Latifa Warrelmann Inspiriert von: vogueeko

Aber… Dam! Dennoch konnte ich nicht verleugnen, dass ich Wut in mir spürte. Dass, ich manchmal einfach nur weinen wollte, wenn Worte mich berührten oder losbrüllen wollte, wurden Grenzen überschritten.

So verging wieder eine Zeit. Weiter schleppte ich die Gefühle in mir herum. Sie wurden mit Tag zu Tag schwerer. Mit jedem weiteren Erlebnis wurde es anstrengender sie unter der Oberfläche zu lassen. Schon am Morgen wachte ich genervt auf. Ein falsches Wort, nein schon eine falsche Bewegung – und, hier könnte falsch alles sein, selbst das Zucken einer Augenbrauen – würde ausreichen damit ich an die Decke gehe und an Ort und Stelle einfach mal alle zur Sau mache. Dabei gar nicht bedenkend in welches Licht ich mich selbst dann rücke.

… Was es über mich und meine Resilienz aussagt. Ich würde mich nur lächerlich machen und unschuldige Menschen verstören. So ein Ausrasten würde rein gar nichts bringen. Es würde einzig und allein den Zustand verschlimmern und mich noch näher der Frage bringen: Wie gehe ich mit meinen Gefühlen um?

Bei Gefühlen ist das so, wenn man sie nicht rauslässt – ganz gleich, um welches es sich handelt – stauen sie sich an. Das geht eine Weile gut, vielleicht auch eine Zeit, aber irgendwann ist kein Platz mehr gegeben um Anstauen, also braucht es ein Ventil. Es braucht irgendetwas, das den ansteigenden Druck löst, sodass man weiterleben kann – glaube ich zumindest.

Na ja, diese Ventile müssen nicht immer konstruktiv sein. In manchen Fällen ist das Ventil Laufen, Fitnessstudio, Lesen, Malen, ehrliche Gespräche, Designen, liebevolle Beziehungen, Videos Drehen, Skateboard fahren und so weiter. In manch anderen Fällen jedoch ist es das eigene Kind, dass zu Hause erst mal angebrüllt wird. Es sind die Zigaretten, der Alkohol und die Drogen. Es sind die Freunde die hintergangen worden und es ist der Partner, der gedemütigt wird. Die Ventile sucht sich der Mensch – glaube ich – mehr oder weniger selbst aus, wobei man in viele hineingeboren wird. Nicht jeder gebraucht sein Ventil gleichermaßen.

Während es dem einen Reicht für eine halbe Stunde um den Block zu lauen, brauchen andere ihre Mountainbike Touren bei Wind und Wetter am Wochenende. Die Intensität der angestauten Gefühle und Dauer, in welcher sie an der Oberfläche kratzen entscheidet den Grad des Kicks, den der Mensch braucht. Deswegen glaube ich irgendwie fest daran, dass ein Mensch, der sein Leben lang immense unvorstellbare Gewalt erlebte, auch unvorstellbare Gewalt weitergeben kann, wenn er nicht ein extrem starken Ausgleich findet.

Ich habe ein paar mal auf verschiedensten Arten ausrasten müssen und viele andere ihre Kontrolle verlieren gesehen, bis ich erkannte, dass es ein Leben ohne Wut, Hass und Zerstörung einfach nicht geht. Es funktioniert nicht. Weil es das Gleichgewicht einfach braucht. Es braucht den Krieg, doch es braucht genauso den Frieden. Doch was es nicht braucht, sind die Extreme.

Extreme die durch Vorbehalte oder selbsterdachten Grenzen geschaffen werden. Natürlich darf man seinem Gegenüber mitteilen, dass er/sie gerade über eine Grenze geht. Man darf es auch erklären. Unpassend wird es nur dann, sobald man jemanden wegen einer Meinung ins Gesicht schlägt, ihm seine Rechte nimmt oder gar tötet. Unpassend wird es auch bei herablassenden Äußerungen, einem Meer von Tränen, der über Jahre nicht mehr aufhören will oder Selbstmord Gedanken. Sobald es extrem wird, wird der Krieg zur Gefahr vom Frieden und sich selbst. Doch bleibt alles in Balance, in einem harmonierenden Gleichgewicht, kann ein gesunder Hass neue Möglichkeiten ebenen. Die Skepsis kann neue Türen öffnen und die Wut alte Ängste lösen. Sogar Brücken lassen sich durch Ärger schaffen.

Einfach mal prügeln!

… Gefühle loslassen durch Schaumstoff-Kämpfe!

Diese Zwei hier versuchen sich mit Schaumstoffschlägern zu messen. Dabei geht es liebevoll zu.

Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mich mit meinen Geschwistern ständig gestritten habe. Wir haben uns geprügelt. Wir haben uns blaue Flecken zugezogen und das war gut so. Einen Klaps, ein Stoß, ein kurzer Schreier und danach eine liebevolle Umarmung und der Ärger davor ist vergessen – und kommt auch nicht wieder auf. Weil man bereit ist loszulassen, zuzulassen und einzusehen. Manchmal muss man glaube ich austeilen und einstecken können, damit der Krieg im Frieden gewährleistet werden kann, auch wenn es bedeutet einen hässlichen Ursprung ansehen zu müssen.

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