Crazy Society

Bahnfahren – Schwarzfahren

Mein rechteckiger Begleiter 

Die Macht der Fahrkarte!

Bild einer Fahrkarte der VVS.
Foto: Latifa Warrelmann

Ein rechteckiges Blatt, misst kaum die Größe meiner Hand, dennoch bestimmt es voll und ganz meinen Reiseweg. Es ist bedruckt mit ein paar Buchstaben, ein paar Zahlen und dem ein oder anderem Logo. Die bestimmte Reihenfolge von ABC´s und 1,2,3`s legen den Wert des kleinen quadratischen Blatt Papiers fest. 1,40€, 2,50€, 5,10€ oder doch 7,30€ ? Das Papier bleibt in jedem Fall dasselbe, auch das Logo verändert sich nicht nur die Zahlen- und Buchstabenkombinationen nehmen eine andere Gestalt an. 1 Zone, 2 Waben, 5 Regionen. Solange ich mein rechteckig bedrucktes Papier bei mir trage kann ich überall hin fahren, wann immer ich will und es die Betriebszeiten zulassen. Vergesse ich das kleine Papier, das nicht mal die Größe meines Ausweises übertreffen kann, bricht Panik aus. 

Was ist wenn die Menschen mit ihren komisch scannenden elektronischen Geräten einsteigen? Wenn sie herausfinden, dass ich mein Kopf heute morgen wo ganz anders hatte, als bei meinem kleinen rechteckigen Begleiter? 

Sie werden mich mahnen, rügen, mir eine Strafe aufbrummen und mich in der Öffentlichkeit als Gesetzesbrecherin darstellen! Dabei hatte ich gar nicht vor Gesetze zu brechen, jemanden zu schaden oder zu betrügen! Ich wollte doch meinen Freiheitsschenkenden Begleiter bei mir tragen. 

Du hast keine Lust zu lesen? Dann höre dir den Beitrag als Podcast an. <3 Peace and Love

Natürlich würden diese Menschen mit Blick für rechteckig-bedrucktes-Papier-Vergesser mir niemals glauben, dass ich meinen Begleiter gestern auf der Ablage platziert hatte. Extra!  Absichtlich! Damit ich ihn nicht vergesse, damit ich mich an Gesetz und Ordnung halte.

Doch bevor ich wie jeden Morgen die Tür hinter mir schließen konnte, mit dem rechteckigen Freiheitsschenker in meiner Tasche, stand eine Frau vor meiner Schwelle. Natürlich würde mir keiner die Geschichte glauben, doch passiert ist sie genauso. 

Mit Tränen in den Augen bat sie mich um mein Ohr. Also tat ich worum man mich bat. Ich hörte ihr zu, schenkte ihr ein Lächeln und verabschiedete sie mit einer Umarmung. Da keine Zeit mehr blieb, mein Bus bereits wartete zog ich die Tür hinter mir zu und ließ meinen rechteckigen Begleiter auf seiner Ablage. 

Abgehetzt, vollkommen aus der Puste stieg ich in den Bus ein, quetschte mich durch die stehende Menge und fand einen Stehplatz direkt an der Tür. Mein Blick schweifte durch das Fenster in die Leere. Ein Tippen auf meiner Schulter. Mein Kopf zur Seite. Ein Lächeln eines Mannes. „Fahrkarte bitte!“

„Fu***!“ Ich hatte meinen freiheitsschenkenden rechteckigen Begleiter auf der Ablage vergessen. 



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Comic von Erl

Kennst auch du solche Szenen?

Das Leben bereitet einem tagtäglich Stress. Im Grunde ist das auch gar nicht so schlecht. Im Gegenteil, der Stress regt uns zum Handeln, Denken und sein an. Ohne ihn hätten wir keinen Grund uns weiter zu entwickeln, hätten keine Themen für Blockbuster, Geschichten und Nachrichten. Würde alles glatt verlaufen, wäre das Leben ziemlich langweilig. Also ja stressige und herausfordernde Momente sind nicht nur wichtig, sie gehören dazu. Doch… muss das wirklich alles sein?

Warum machen wir Menschen oder hier in meinem Fall wir Deutschen uns so vieles, so wahnsinnig kompliziert – von der Bürokratie mal abgesehen. Es ist klar, dass es nichts umsonst geben soll, schließlich erbringen wir alle Leistung, haben Anstrengungen und so weiter, doch sollten wir nicht endlich beginnen uns darum zu bemühen andere Formen der Entlohnung, Ermahnung, Struktur und Aufmerksamkeit zu finden? Die Regeln, die uns heute leiten stammen aus Zeiten, als der Feind noch vor der Tür stand, als Frauen als minderwertig galten und Apartheid ein Fakt und kein Unrecht war. Sie halfen den Menschen damals in der Umwelt zurechtzukommen und letztendlich zu überleben … 

… Früher! Heute leben wir in vollkommen anderen Zeiten, gegensätzlicher könnten sie gar nicht sein. Wir tragen andere Werte in uns, andere Ziele und andere Hoffnungen, wann wollen wir unser Leben daran anpassen? 

Mut, Veränderung, Zitate, Quotes, Lebensweisheiten, Richtlinien, Akzeptanz und Perfektion. Leben verändern. Neue Richtungen einschlagen. Leben leben.
Zitat von: Latifa A. Warrelmann

Wann wollen wir verstehen, dass wir menschliche Wesen sind, die nicht zu Drill und Perfektion gemacht sind, sondern zur Freiheit und der Perfektion in Fehlern? Wann wollen wir verstehen, dass wir alle einmal Tage erleben, an welchen uns der Kopf einen Strich durch die Rechnung zieht, der Mund falsche Worte herausbringt und der Verstand so gerne man auch möchte nicht mitmachen will. Dass dahinter kein böser Wille steckt, sondern schlicht und ergreifend Menschlichkeit. Wann hören wir auf Menschen anzuschreien, sie nieder zu machen oder sie abzuwerten, nur weil sie sich nicht an die Regeln und Strukturen halten konnten und beginnen dahinter zu schauen. Hinter jedem Menschen steckt eine Geschichte. Hinter jedem Tag eine Herausforderung, das sollten wir nicht einfach so abtun, nur weil wir es nicht begreifen oder fassen können, oder was denkt ihr? 

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