Man, ich hab schon wieder nichts zum anziehen – Shoppingtime!

So oder ähnlich geht es einer Vielzahl an Frauen und mittlerweile Männern in Deutschland. Wir Deutschen besitzen durchschnittlich 90 Kleiderstücke in unseren Schränken und Kommoden, wovon wir nur die wenigsten regelmäßig tragen. Ein Großteil unsere einstigen Errungenschaften entdecken wir erst beim mühseligen Aussortieren wieder. Meist sind wir dann vollkommen überrascht darüber, was alles in den Tiefen der Kleiderschränke verborgen ist. Manchmal wird das ein oder andere Kleiderstück wieder in das Sortiment „Alltagstaugliche-Kleidung“ aufgenommen, doch oftmals landet es im Müll, bei Freunden & Familie oder in der Kleidersammlung von gemeinnützigen Organisationen.

 

 

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Ja, eine volle Einkaufstasche macht uns glücklich, doch wie lange?         Foto: rawpixel

Früher war alles anders – heute ist weniger besser!

Vor noch ein paar Jahrzehnten trug man ein Kleidungsstück über einen längeren Zeitraum. Meist über Jahre pflegte man sein teures Hemd, seine verwaschene Lieblingsjeans oder das ultimative Kleid, zum Ausgehen und Feiern. Neue Trends konnte man früher zu den Herbst/Winter-Kollektionen oder Frühjahr/Sommer-Kollektionen kaufen. Heute ist das alles anders. Beinahe täglich erscheint ein neuer Trend, ein neues „Must-have“. Sodass Textilhandelsunternehmen wie DESIGUAL, H&M, ZARA, MANGO, PIMKIE, C&A, NEW YORKER und CO. gezwungen sind in immer häufigeren Abständen die Schaufenster mit angesagten Outfits zu dekorieren. Doch nicht anziehende Schaufenster erwartet der Käufer von heute, auch die Läden müssen regelmäßig mit neuen Kleidungsstücken ausgestattet sein. Sonst langweilt sich die deutsche Shopperin/ der deutsche Shopper.

 

 

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Auch die Schaufensterpuppen geraten an ihre Grenzen, durch den stetigen „Im-Trend-Wechsel“. Foto: tCL

 

Was passiert mit all der neuen Kleidung aus den alten Kollektionen?

Sie werden verbrannt und in manchen Fällen gespendet. Hin und wieder tauchen die alten Kollektionen, in anderen Ländern auf. Dort versucht man die Trends, die in Deutschland Gähnen auslösen an den Mann/die Frau zu bringen. Ein Aufwand, der sich meist nicht lohnt. Also werden Tonnen an Stoffen verbrannt und vernichtet. Bei den vielen Kollektionen, die täglich aus dem Sortiment fallen, entsteht dabei unnötig viel CO2 und somit Belastung für unsere Umwelt.

 

Andere Länder andere Sitten.

Während der Großteil der deutschen Bevölkerung sich vor Kleiderstücken nicht retten kann und deshalb auch nie weiß, was er/sie anziehen kann, wissen Mütter in anderen Ländern kaum, wie sie ihre Kinder ausstatten sollen. So fehlt es in vielen westafrikanischen Ländern an Kleidung für Groß und Klein, sodass viele Kinder ohne Schuhe, ohne T-Shirt die Schule besuchen. Mühselig, wo doch Kleidung nicht nur als modisches Accessoire gilt, sondern auch als zweite schützende Haut. Ohne Schuhe auf sandig heißem Boden zu laufen, gleicht einer täglichen Folter, die der Fuß erst durch einen Prozess von Gewohnheit ausgleichen kann. Gleiches gilt für Kinder in Osteuropa, die einen kalten langen Winter ohne gut gefütterter Winterjacke, warmen Schuhen oder einen Pulli überleben müssen. Wir Deutschen müssen uns nicht mit solchen Gedanken auseinander setzen. Für uns ist es normal: im Winter packen wir unsere Winterkontingent aus und im Sommer bringen wir knappe Hosen, Shirts und Röcke zum Vorschein. Doch Menschen in wirtschaftlich armen Ländern, können nicht mit einem vollen Kleiderschrank glänzen. Somit ist unser selbstverständlicher Umgang mit Kleidung eine Qual für weitentfernte Menschen.

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Achte auf die Waage. Mode ist toll, doch bewusste Mode noch besser.   Foto tCL

Wie kann man die Waage halten?

Im Leben geht es um Ausgleich. Überall sollte die Waage gerade bleiben. Derzeit leben wir im Ungleichgewicht in Sachen Bekleidung. Was also können wir Deutsche tun, um ein wenig mehr Gleichgewicht zu schaffen?

1. Achte auf dein Konsumverhalten.

Muss es wirklich immer der neueste Trend sein? Müssen es wirklich 100 T-Shirts sein und 200 Schuhe oder versuchst du damit nur etwas zu kompensieren? Versuchst du mit einem übervollen Kleiderschrank (womöglich unterbewusst) zu sagen: „Hey schau mal was ich alles habe!“

Damit identifizierst du dich über materielle Güter und nicht über das, was du bist. Wenn du die neuen Trends haben musst, die neuen Kleider kaufen musst, weil du sonst glaubst nicht gut genug zu sein, oder Angst aufkommt in deinem Umfeld nicht akzeptiert zu werden, dann hat dein Kaufverhalten nichts mit Modebewusstsein gemein.

Mode kann sich ständig neu entwickeln und wandeln. Sie entspricht deinem Typ und kann sicherlich mit deinen bereits erworbenen Kleidungstücken neu in Szene gesetzt werden, oder? Bevor du dir eine neue Hose, ein schickes Shirt oder ein trendiges Kleid zulegst, schau doch, ob sich nicht in deinem Kleiderschrank etwas befindet, dass du anders kombinieren oder aufwerten kannst.

Hier ein paar DIY´s – so wird deine alte Kleidung bestimmt wieder zum Hingucker!

  • Nieten und wie sie deine Jeans, Chucks und Taschen aufpeppen. Hier!
  • Aus langweiliger Bluse entsteht ein Schulterfreies- Shirt. Hier!
  • Hemd und Shirt werden zum angesagten Latzrock. Hier!
  • Einmal Basic T-Shirt nun sexy Top! Hier!
  • Aus einer Unterhose, wird ein BH – Jap ernsthaft! Hier!

Du kennst noch mehr DIY´s oder hast selbst ein paar Tipps auf Lager, dann nutze doch die Kommentare, damit jeder von deinen Ratschlägen profitieren kann. <3

 

 

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Alt-Kleidererwertung, beiten zahlreiche Organisationen an.     Foto: DRK 2014

2. Alte Kleidung abgeben/spenden

Was dir nicht mehr gefällt kann einen anderen glücklich machen. Deshalb nutze gemeinnützige Organisationen oder auch Verkaufsportale, um deine ehemaligen Lieblingsstücke, an einen neuen glücklichen Träger/einer neuen glücklichen Trägerin zu vermachen.

Hier ein paar Organisationen:

Crazys Old Fashion – ein gemeinnütziges Projekt vom the CrazyLife Magazin, das vor allem jungen Menschen animieren möchte, ihre Kleider zu spenden.

Fairwertung – bewusst handeln!  Informiere dich worauf es bei der Kleidersammlung ankommt.

Aktion Hoffnung – Hilfsorganisation in Deutschland. Kleiderspende, Sozial Projekte und vieles mehr!

Deutsche Kleiderstiftung – auch Kleiderspenden im Paket möglich.

 

Du kennst noch mehr gemeinnützige Organisationen oder hast mit einem Projekt besonders gute Erfahrungen? Nutze die Kommentar-Funktion und teile dein Wissen mit uns. Danke <3

 

 

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Die Beschriftung an deiner Kleidung zeigt dir, woher dein neues Lieblingskleidungsstück stammt.        Foto: theaerogram.com

3. Achte auf die Herstellung

Mittlerweile dürfte ein Großteil der deutschen Gesellschaft wissen, das der Großteil unserer Kleidungsstücke in wirtschaftlich armen Ländern produziert wird. Dort sind die Produktionskosten geringer und somit ist die Herstellung im Ausland für Firmen attraktiver. Das bringt mehrere soziale aber auch Umweltschädliche Faktoren mit sich.

Durch die Verlagerung im Ausland sind Deutsche Gesetze außer Kraft gesetzt. Das heißt Mindestlohn Adieu, Sicherheitsmaßnahmen Tschau, faire Arbeitsbedingungen vergessen und umweltfreundliche Produktion lebe wohl! Das alles für billige Herstellung, möglichst hohen Gewinn und ein Kleidungsstück, das nach wenigem tragen sowieso im Kleiderschrank verrottet. Ja ich weiß, nicht jeder kann sich die Hose für 70€ oder 120€ kaufen, meistens muss es die Hose für 9,99€ aus Bangladesch sein. Muss es das wirklich? 

Wenn wir lernen weniger darauf zu achten, was wir jetzt unbedingt haben wollen, einfach nur damit wir es haben und mehr darauf achten, was wir wirklich brauchen, bekommen wir vielleicht ein Gefühl von Wertschätzung gegenüber unseren Kleidungsstücken.

Vielleicht gehen wir dann besser mit ihnen um, achten darauf, wie sie gewaschen werden sollten, damit sie länger halten. Rutschen mit ihnen nicht auf der Straße rum, sodass kurzerhand ein Loch entsteht und machen und vielleicht bewusst, dass hinter dem T-Shirt, hinter dem Kleid oder was auch immer viele Menschen steckten. Menschen, die in grauenhaften Bedingungen, stundenlang ein T-Shirt nach dem anderen erzeugten, damit sie für ihre Familien Nahrung auf dem Tisch zaubern können. Menschen, die atmen, leben und Gefühle empfinden. Das hinter diesem einem Kleidungsstück ein langer Weg liegt, meist aus einem Ort, den wir niemals besuchen würden, weil er soweit entfernt liegt.

Mode ist wunderbar, vor allem dann, wenn wir lernen verantwortungsbewusst mit ihr umzugehen.

In dem Sinne, kreiert eure Styles, tragt eure Kleidung mit stolz und seid bewusst und verantwortungsvoll, sodass ihr jedes Kleidungsstück mit voller Freude tragen könnt.

Peace and Love

 

 

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