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Foto: Archiv                                                                                  Entspannung am Lagerfeuer am Strand für viele.

Kilometer langer weißer Sandstrand, tropische Klimaverhältnisse, klares blaues Meerwasser und glückliche Menschen aller Hautfarben, alle Lachen singen und tanzen miteinander – im Land für viele.

Ein Land so groß, das hunderttausende ja sogar Millionen ihren Platz finden. Ein Land geschaffen für Menschen, die sich weder als das eine noch das andere fühlen.

Ludwigsburg – In Deutschland bin ich die exotische Afrikanerin und in Nigeria bin ich die Deutsche. Ich selbst fühle mich gespalten und hin und hergerissen zwischen zweierlei Kulturen. Meine braune Haut, krause Haare, volle Lippen und breite Nase lassen darauf schließen, dass ich der afrikanischen Bevölkerung angehöre. Mein Wesen allerdings entspricht mehr den deutschen Gepflogenheiten. Pünktlichkeit, Ordnung, Struktur, kühle Distanz und scannen meines Gegenübers beherrsche ich aus dem Effeff. Selbst einen Schrebergarten pflege ich perfekt, sodass meine Nachbarn vor Neid auf meinen makellos gemähten Rasen mit Gartenzwergen starren.

Die westafrikanische Kultur – also die Herkunft meines Vaters – stellt für mich in vielerlei Dingen Neuland da. Zwar kenne ich aus Erzählungen die ein oder anderen Gebräuche der nigerianischen Kultur, erlebt aber ich allerdings die Wenigsten. Ich weiß nicht, was es bedeutet, mit dunkelhäutigen Menschen aufzuwachsen, die ihre Lebensmittel frisch auf dem Markt kaufen. Auch habe ich nie die typisch nigerianischen Gerichte mit Frauen aus dem Dorf meines Vaters gekocht. Das Tanzen mit anderen dunkelhäutigen Kindern auf dem sandigen Boden Nigerias zu rhythmischen Trommelschlägen blieb mir auch fern. Nicht einmal eine Fliege setze sich auf meinem Auge nieder, sodass europäische Fotografen niemals mein trauriges Wesen einfingen.

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Gemeinsam aufwachsen unter Dunkelhäutigen. Freundinnen in Westafrika

Stadtessen wuchs ich unter vielen hellhäutigen Gesichtern auf, wobei ich mich ständig fehl am Platz fühlte und glaubte weder zum einen noch zum anderen zu gehören. Ich bin ein Zwischending, ein Hybrid, der nächsten Generationen.

Lange Zeit hielt ich meine Herkunft für abartig und äußerst speziell. Außer mit kannte ich keine „Grenzgänger“, wie ich mich selbst wegen meiner Multikulturellen Einflüsse nannte. Mit dem Älter werden folgte auch Wissen und Offenheit gegenüber der Deutschen als auch der nigerianischen Kultur. Welch ein Glück, denn so begegneten mir Menschen, die ein ähnliches Schicksal teilten. Nicht nur „Mischlinge“ also Personen, die zwei oder mehrere ethnische Gruppen in sich vereinen, leiden unter einer Identitätskrise. Wer bin ich und wo gehöre ich hin, fragen sich auch Migranten, deren Eltern beide aus dem Ausland stammen. Sie leben in der ersten, zweiten oder dritten Generation in Deutschland und sind wie ich auch von Geburt oder Kindesbeinen an mit den deutschen Gepflogenheiten vertraut. Sie gelten in ihren „Mutter-Ländern“ als die Deutschen und hierzulande als die Ausländer.

„Wir bräuchten ein Land für uns allein! Ein Land indem wir lebe können, frei und ohne Vorurteile. Ein Land indem wir alle Kulturen miteinander vereinen ohne den Bewohnern ein Namen zu geben! Sie sind dann keine Deutsche, Türken, Nigerianer, Italiener oder sonst etwas sondern einfach nur Menschen.“

Das schlägt eine Bekannte, vor dessen Mutter aus der Türkei und Vater aus Italien stammt. Ein Land für viel, wäre das nicht fantastisch?

Ein Land, nein gleich eine ganze Welt, in der wir Menschen einfach miteinander leben können ohne sich Namen oder Schubladen unterordnen zu müssen.

Ein Stückchen Erde auf dem Unterschiede zwischen Kulturen ausschlaggebend für Wachstum, Fortschritt und Entwicklung bedeuten, weil die Bewohner durch ihre unterschiedlichen Fähigkeiten und kulturellen Einflüsse voneinander lernen. Ja, eine Welt für viel, nein für alle, die irgendwie dem Förderations-Modell von Star Trek gleicht, wäre doch ein Traum. Schließlich würde ein solches Fleckchen auf Erden jeder Person ermöglichen nicht mehr zwischen den Kulturen, sondern inmitten von ihnen zu leben.

Meine Generation wird es vielleicht nicht schaffen, einen solchen Ort entstehen zu lassen, doch wer weiß, vielleicht gelingt es den nächsten, eine Welt zu kreieren in der Herkunft keine Rolle mehr spielt. Ja wer weiß, womöglich erleben meine Urenkel eine Zeit, in der Politiker nicht über Mauern und Grenzen debattieren, sondern über Chancen, Offenheit und globale einheitliche Gemeinschaft.

Was denkst du?

Liebe Grüße

Sahra-Latifa A. Warrelmann

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Foto: Archiv                                               Zusammen erreichen wir mehr. Jubelnde Hände einer Gemeinschaft.

 

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