Nur weil wir noch nicht wählen dürfen, mit dem Auto zur Schule fahren können und unsere Unterschrift auf dem Papier keinen Wert hat, heißt es noch lange nicht, dass wir ohne Leben stecken.

Wir sind Jugendliche, klar fehlt es uns an Lebenserfahrung, dennoch fühlen wir etwas, wenn sich beispielsweise unsere Eltern streiten. Brummt uns der Lehrer mal wieder gefühlte 100 Seiten Hausaufgaben auf, fällt die Stimmung in den Keller und der Stress steigt an. Die zahlreichen Klausuren nehmen uns die Freizeit!

Beschweren wir uns, tadeln die Erwachsen: „Stellt euch nicht so an! Ihr seid doch noch jung!“

Wir verstehen zwar all die Fachbegriffe wie „Affektive Verhaltensstörung“ oder „Habituation“ noch nicht, aber wir wissen was es bedeutet, sich anzupassen und dabei jedes Mal, ein Stückchen mehr von sich selbst aufgeben zu müssen.

Vielleicht sind wir erst 13, 14, 15, 16 oder 17 Jahre und noch nicht so erfahren wie unserer älteren Geschwister, Eltern, Lehrer und Großeltern, dennoch ist uns „Mental Illness“ ein Begriff. Darum lasst uns über Psyche sprechen, aus den Augen der Jugend.  – Artikel von Jugendautorin Leyni A. (16 J.)


Wenn wir schlagen treten und beißen, dann nur deshalb, weil wir keine Ahnung haben, wie wir mit all den Gefühlen in uns umgehen sollen. Kassierst du einen abwertenden Spruch oder zicken wir dich an, dann renne lieber. Oder willst du dich etwa mit einem angepissten Jugendlichen streiten?

Im Grunde sind wir gar nicht so schlimm. Im Grunde sind wir nichts weiter als kleine Leute. Noch junge Menschen ohne Plan von der großen weiten Welt. Gerade noch Kind und jetzt schon sowas wie Erwachsen. Früher habe ich mich auf den Boden geworfen und einfach drauf losgeschrien, fühlte ich mich wütend oder traurig. Heute würde man mich sofort in die Psychiatrie stecken oder aus der Schule werfen, würde ich, wenn mir etwas gegen den Strich geht, anfangen laut zu weinen. Aber irgendwie muss ich doch mit meinen Gefühlen klar kommen!

Irgendwas muss ich doch tun?
In der Schule gibt es kein Fach mit dem Namen „Emotionskontrolle“ und meine Eltern: tja, die wissen selbst nicht was sie mit Ärger, Trauer, Wut, Freude, Eifersucht und Co. anfangen sollen.
Ich bin weder Fleisch noch Fisch, bin nicht jung und auch nicht alt. Ich weiß noch nicht warum die Welt so ist, wie sie ist, trotzdem weiß ich, was es bedeutet zu leiden. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn das Herz rast und die Tränen sich kaum unterdrücken lassen. Wenn die Hände schwitzig werden und ich am liebsten gegen eine Wand schlagen oder einfach für immer davon laufen würde.


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In jedem Alter kann ich über meine Gefühle sprechen.                        Foto:tCL

Letztens, na ja schon eine Weile her, saß ich in diesem Theaterstück. „Ausgerastet“ lautete der Name. Keine zehn Minuten dauerte es, bis ich in Tränen ausbrach. Ich konnte mich mit den Schauspielern identifizieren. Jugendliche Schauspieler, die wie ich einfach ausrasten, weil es keine Alternative gibt. Keine Eltern, die zuhören. Keine Lehrer, die verstehen wollen und kein Umfeld, das eingreift. Jeder ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, sodass wir einstigen süßen Kinder mit großen Augen nur noch lästig sind. Niemand will uns sehen und noch weniger wollen sich mit unseren Sorgen beschäftigen. Da ist es doch kein Wunder, das wir schon mit 12, 13 oder 14 harte Drogen konsumieren und ein Strafregister länger, als einen Deutschaufsatz haben, oder nicht?

Wir sind Jugendliche und nur weil wir noch nicht wählen können, heißt das nicht, dass wir nicht auch Ziele brauchen. Auch wir können uns verloren fühlen und kommen von unserem Weg ab. Schau hin und reiche uns die Hand! Wir dürfen zwar jetzt noch nicht wählen, doch pass auf, denn wir sind die Generation, die euch in ein paar Jahren führen wird.

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