Kassandra (Name aus Diskretionsgründen geändert), 35 Jahre alt steht am ungewollten Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Wegen Überforderung und Zusammenbrüchen musste sie nach zwanzig Jahren ihre Arbeitsstelle aufgeben.

 

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Seit mehr als drei Jahren ist sie sich ihrer Veränderung bewusst. Immer häufiger wurde sie hysterisch, griff nach der Flasche und traute sich kaum noch aus dem Haus. Auch ihre sozialen Interaktionen nahmen in den letzten Monaten ab, sodass sie nun demotiviert und von Zukunftsängsten geplagt lebt.


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Negatives Denken beeinflusst Körper und Geist.                               Foto tCl

Einer schwierigen Lebensphase gehen meist negative Gedanken, traumatische Ereignisse und belastende Lebenssituationen voraus. Kassandras aktuelle Lebenssituation ist das Ergebnis vorhergegangener Entscheidungen. Auch wenn sie sich dessen bewusst ist, ändert es nichts daran, dass sie durch den Verlust ihrer Arbeitsstelle im Mangel lebt. Sie fühlt sich nicht mehr ausgelastet und auch die finanzielle Situation beschwert ihren Alltag.

So kann sie weder in den Urlaub fahren noch andere Unternehmungen ausüben, die ihre Sinne mit neuen Reizen und Erfahrungen füllen könnten. Der eintönige und ärmliche Alltag bringt zusätzlichen Stress wie auch selbst schädigende Gedanken. Ein neuer Job muss her, die Psyche soll neu konfiguriert werden und das negative Denken sich verabschieden. Das ist allerdings kein einfaches Unterfangen in Anbetracht ihrer Lage. Die Selbstzweifel in ihr sitzen tief, das Gefühl von Wertlosigkeit hat sich an ihr Sein geheftet und Nutzlosigkeit wie auch Unattraktivität plagen sie bei jedem Blick in den Spiegel. So entwickeln sich alltägliche Situationen zur Herausforderung, ja sogar zur Belastung für Kassandras geschwächte Psyche.

Wie Kassandra geht es auch Millionen anderer Deutsche. Das bestätigt eine Umfrage der AOK, die den „Fehlzeiten-Report 2017“ veröffentlichte. Durch Schicksalsschläge, Stress oder in der Kindheit angelegten destruktiven Gedanken oder Verhaltensmuster, kommt es zu belastenden Zuständen. Negatives Denken beeinflusst nicht nur das Verhalten einer Person, es kann auch zu einer vom Scheitern geprägten Laufbahn führen und körperliche Krankheiten verursachen. Eine Studie der Techniker Krankenkasse, des Universitätsklinikum Hamburg und der Roehampton Universität in England von 2009 bestätigt das Ergebnis. Die Auswirkungen von Stress seien so tief, dass sie unter anderem Karzinome, Herzkrankheiten und chronischer Müdigkeit verursachen.

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Gedanken wie: „Ich bin nicht gut, ich kann nichts, ich bin wertlos“, schütten Adrenalin wie auch Noradrenalin aus. Diese Hormone, auch bekannt als Stresshormone füllen den Körper mit feindlicher Unruhe. Langanhaltende negative Gedanken führen zur ansteigenden Cortisol-Produktion, welches als Signal für einen hohen Energieverbrauch steht. Der hohe Energieverbrauch von Stress ist ausschlaggebend für Demotivation.

Ein gestresster Körper ist mit Regulierung beschäftigt und kann sich nicht mehr auf andere Funktionen konzentrieren. Neben den biochemischen Prozessen löst man mit negativen Gedanken Gefühle aus, die einen schlecht fühlen lassen. Denkt man von sich, dass man wertlos sei, produziert man neben Adrenalin auch noch Minderwertigkeitsgefühle, Scham und Selbsthass. Schließlich entstehen mit Gedanken Gefühle und andersrum.

Dass Menschen mit negativer Haltung meist kurzlebige Beziehungen führen und seltener Aufstiegsmöglichkeiten in Form von Beförderungen oder Gehaltserhöhungen erleben, vermutet auch der Coach und Autor Robert Betz. Er ist sich sicher, dass der Mensch seine Realität erzeugt und diese bei Personen mit negativen Tendenzen von Schuldgefühlen, Ängsten, Zweifeln, Scham und so weiter gefüllt ist.

Die innere Haltung tragt der Mensch nach außen, auch wenn er das nicht unbedingt bemerkt. Von seiner Umwelt wird ein zweifelnder, unsichere, wütender oder ängstlicher Mensch meist unterbewusst, als unattraktiv wahrgenommen und gemieden. Somit erhält er wenig Chancen seine Laufbahn in eine andere erfolgreiche Richtung zu lenken, da er sich selbst im Weg steht. Erst durch das Verstehen und Erkennen der eigenen Gedanken und – Verhaltensmuster, kann dem entgegengewirkt werden.

 

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Befreie dich von deinen selbst geschaffenen Lastern und schaue in eine andere Richtung. Foto: tCl

In eine andere Richtung zu agieren ist allerdings nicht einfach. Das menschliche Gehirn ist auf die Speicherung negativer Ereignisse konzipiert, um aus den Erfahrungen zu lernen und sich in Zukunft vor Gefahren schützen zu können. Es braucht fünf positive Ereignisse, um ein Negatives zu relativieren. Das allerdings, bedarf Übung.

Ein großer Teil der Menschheit ist es schon gewohnt, den Fokus auf die Dinge zu richten, die nicht so gut laufen. Das kann auch Kassandra bestätigen.

Jahrelang dachte sie schlecht über sich und ihre Umwelt, wodurch sie heute an mangelndem Selbstbewusstsein leidet. In der Vergangenheit konzentrierte sich ihr Denken immer wieder auf ihre Defizite. In Anwesenheit anderer wurde sie eifersüchtig, hegte Groll und Misstrauen. Sie konnte anderen ihr Glück nicht gönnen, schließlich war sie es selbst auch nicht. Sie wollte andere nicht glücklich sehen, wenn sie selbst am Abgrund stand. Ihre Umwelt sollte fühlen, was auch sie fühlte. Also litt nicht nur sie an ihren negativen Gedanken, sondern auch ihre Liebsten und jeder der ihr begegnete. Die Welt mit positiven Augen zu sehen ist für Kassandra anstrengend.

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Just do, what makes you happy.                           Foto tCl

 

„Mir war gar nicht bewusst, wie schwer es ist die guten Seiten des Lebens zu sehen. Jeden Tag schreibe ich mir auf, was mir an diesem Tag gefiel. Ich muss gestehen, am Anfang dauerte es Stunden, bis ich zwei schöne Ereignisse finden konnte. Das brachte mich zur Verzweiflung und machte mir klar, wie sehr ich schon auf das Negative getrimmt bin.“

 

Destruktives Denken beeinflusst Körper und Geist und ist ein Symptom tief greifender Verletzungen. Es behindert den Erfolg, obwohl es ein durch die Evolution angelegtes Muster ist. Außerdem führt es zu Stress, welcher sich wiederum schädlich auswirkt und organische wie auch psychische Krankheiten verursacht. Verallgemeinerung, Alles-Oder-Nichts-Denken, eingeengte Wahrnehmung, Leugnen des Positiven, Übertreibungen von Fehlern und mit zweierlei Maß messen sind gängige Ausdrucksformen des negativen Denkens.

Der Verlust ihrer Arbeitsstelle warf Kassandra zunächst in ein psychisches Loch. Doch mit der Zeit verstand sie, was sie durch den Verlust gewann. Sie entwickelte ein Bewusstsein für ihren tatsächlichen psychischen Zustand und durfte sich durch die Extremsituation näher kennenlernen.

Negative Ereignisse können sehr belastend sein, sie können aber auch ein Tür zu neuen Wegen öffnen. Denn durch die Erkenntnis über ihre Verhaltens- und Gedankenmuster ist Kassandra jetzt in der Lage mit den Werkzeugen „Positiv Denken“, Geduld und Vertrauen in sich selbst das Leben mit Leichtigkeit anzugehen.

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