Hingenommen, Verhasst, Akzeptiert und Gemieden – Flüchtling in Deutschland

Das Straßenbild verändert sich zunehmend. Wo noch vor wenigen Jahren hauptsächlich hellhäutige Gesichter die Städte füllten, sind die Straßen Deutschlands zunehmend bunter. Die Welle hat das Land überschwemmt, eingenommen und verändert. Im Jahr 2013/2014 trafen unzählige Menschen aus fernen Ländern in Deutschland ein und lösten Unruhe aus. Sie nahmen den Weg nach Europa auf sich auf, um Armut, Krieg, Hunger und Tot zu entfliehen.


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Sind Flüchtlinge noch immer willkommen? Cartoon: Marian Kamensky

Wo zu Beginn eine regelrechte Willkommenskultur spürbar war, würden heute einige Einheimische, die Neuankömmlinge am liebsten selbst wieder in die Boote stecken. Teilweise von den Medien und Politik gefördert, teilweise von den Flüchtlingen verursacht, lösen Negativ-Schlagzeilen Angst und Unsicherheit in der deutschen Bevölkerung aus.

So berichtet die BILD, welche vor allem bei Anhängern der AFD beliebt ist, von Messer-Attacken, Diebstählen und Aufenthaltstitel-gierigen Wirtschaftsflüchtlingen, aber selten von dem Menschen dahinter und seinen Beweggründen sich auf den Höllenmarsch nach Deutschland zu begeben. Doch im Vergleich zum Online-Magazin/ Blog „PINEWS“ oder den anonymousnews.ru wirft die BILD noch mit sanften Geschützen.

„Ergebnisorientierte bunte Vielfalt Luxemburg: Nackter Buschkrieger greift Passanten an!“

„Donauwörth: Sandwich mit Schwarzen beim Bus!“

„Drogen, Alkohol und Prostituierte: So gut geht es kriminellen Flüchtlingen in deutschen Gefängnissen!“

… lauten die Schlagzeilen der Online-Plattformen.

Auch wenn die Publikationen zum Thema Flüchtlinge überwiegen neutral bis positiv gestalten werden – wie auch die Otto-Brenner-Stiftung und ihre Studie Flüchtlingskrise in den Medien hervorgeht – sind die negativ Schlagzeilen bis in die Köpfe der bisher neutralen „politischen Mitte“ vorgedrungen.Zum Leid der Flüchtlinge, Zum Leid der Menschen.

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Jallow aus Ludwigsburg lebt seit 5 Jahren in Deutschland. Foto: tCL

Ein Mann aus Gambia berichtet:

Von dem Großteil der deutschen Bevölkerung werden wir „Flüchtlinge“ gemieden. Man ignoriert uns, wenn wir nach dem Weg fragen. Ständig müssen wir Polizeikontrollen über uns ergehen lassen, selbst wenn wir einfach nur dasitzen. An Freizeitaktivitäten brauchen wir gar nicht zu denken, keine Integration bedeutet keine Freizeit. Clubs für „Deutsche“ gewähren uns keinen Einlass, für uns gibt es extra Diskotheken, die überfüllt sind – und wir unter uns. Wir werden separiert, wie sollen wir da die Kultur verstehen, lernen und miteinander leben? Ohnehin meinen viele in der deutschen Bevölkerung zu wissen, dass wir alle ausnahmslos bildungsferne Terroristen oder Vergewaltiger sind, die nur an sich selbst denken. Lächerlich, wenn du mich fragst!

In meinem Herkunftsland war ich Geschäftsführer, hier allerdings traut man mir nicht einmal die einfachsten Aufgaben zu. Mehr als zehn Sprachen beherrsche ich, lerne täglich Deutsch, arbeite auf einer Baustelle und versuche mich so gut ich kann, zu integrieren. Kein einfaches Los, da ich in komplett anderen Verhältnissen aufgewachsen bin. Dennoch begegne ich allen Menschen hier offen und mit Respekt – doch basiert das auf Gegenseitigkeit? Meist nicht!

Ich darf nicht reisen, nicht meine Familie sehen, geschweige denn in das 10 km entfernte Stuttgart fahren, da es mein Aufenthaltstitel nicht erlaubt. Dass, ich aber jeden Tag 8-10 Stunden auf der Baustelle arbeiten darf und als günstige Arbeitskraft die deutsche Infrastruktur auf Vordermann bringe, ist willkommen.
Versteh mich nicht falsch! Ich bin dankbarhier sein zu können. Ich bin gerne hier in Deutschland. Ich liebe das Land und ich bin froh darum überhaupt arbeiten zu können, aber ein bisschen mehr Respekt und weniger Vorurteile, sind doch nicht zu viel verlangt oder?

 

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Wollen wir uns wirklich die Möglichkeiten der Vielfalt entgehen lassen, wegen alten Gedankenstrukturen? Foto: tCl

Wir Deutschen haben das Recht und die Freiheit überall dort zu leben, zu arbeiten und zu studieren wo auch immer möchten. Natürlich ist das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Wir können Reisen und sind so gut wie überall herzlich willkommen. Menschen aus sogenannten Drittstaaten allerdings dürfen nicht einmal frei und legal nach Europa reisen, dem Kontinent, der die Bevölkerung zu Sklaven machte und noch heute Zwietracht sät. Selbst wenn ein Drittstaatsbürger liquide und qualifiziert genug ist, ist eine Einreise oder gar das Leben in einem europäischen Land kaum und meist nur unter harten Bedingungen möglich.
Die Einwanderung wird nicht enden, die Flüchtlinge werden bleiben, denn sie sehnen sich wie jeder andere auch nach Freiheit, die sie sich in Europa erhoffen und für die sie bereit sind in den Meeren unterzugehen.

Wie also werden wir als Bevölkerung, Medien und Politik in Zukunft mit unseren neuen Bürgen umgehen? Werden wir auf Integration bauen oder doch weiter Separation anstreben?

 

#Gemeinsammehrerreichen #Vielfaltstatteinheitsbrei #Integration #Peaceandlove

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