Von der Wissenschaft zu Gott Beitrag von Latifa A. Warrelmann
Crazy Stories,  Crazys Spirit

Von der Wissenschaft zu Gott

Es ist einfach die Dinge zu benennen, die man sieht und greifen kann. Schwierig wird es erst dann, Gegebenheiten zu definieren für die man keine Worte findet. Doch bedeutet es dann, dass die Situation nicht existiert, nur weil es keine Beschreibung für sie gibt?

Liebe kann man fühlen, dennoch wirkt sie für manch einen so fremd, dass er sie für eine ebenso gleiche Erfindung wie des Weihnachtsmanns, Sandmanns oder der Zahnfee hält. Dennoch kann das Fremde, das nicht Vorhandene, Unsichtbare und schwer zu Erfassende, genau das sein, worauf es im Leben ankommt.

Hier eine kleine Geschichte über meine erste bewusste Begegnung mit der Spiritualität und Göttlichkeit.


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Illustration/Spruch: Latifa A. Warrelmann

Wie so viele Geschichten beginnt auch meine mit dem üblichen Satz: Hätte mir jemand vor 9 Jahren gesagt, dass ich das heutige Leben führe, hätte ich die Person ungläubig ausgelacht!

Ich war ein Kind der Wissenschaft, eine Frau, die nur an die sichtbaren Dinge im Leben glaubte. Im Nachhinein gesehen klingt das für mich so absurd, das ich mein altes Ich dafür liebevoll belächle. Ich lebte blind mit verschlossenen Augen und nahm nur die eigens zusammen gespinnten Fantasien in meinem Kopf wahr. Dennoch lebte ich in der Überzeugung lediglich die Realität im Blick zu haben. Sprach man von Gott oder der Spiritualität hielt ich es für altes Geschwätz. Längst überholte Glaubenssätze, die – so glaubte ich damals – von noch zu vielen gehegt wurden. Wer ist schon Gott und was Religion? Was sollte eine Seele in mir und warum um alles in der Welt sollte diese Seele von irgendeinem unsichtbaren Etwas geliebt werden? Ich zog die Anhänger der Religion und letztendlich Gottes in den Schmutz und hielt sie für Geisteskranke, die ebenso in der Psychiatrie Unterschlupf finden konnten wie Depressive, Schizophrene und andere arme Geister. Beten, meditieren und mit jemanden sprechen, der niemals gesichtet wurde, meine nächsten Lieben und Feinde vergeben, dass soll die Erfüllung jeden Lebens sein? Sicher doch. Natürlich! Das gibt es nur in einer Fantasiewelt.

Ich sah das Leid um mich herum, spürte die Ungerechtigkeiten und entdeckte die Verletzungen an jeder Ecke, sodass ich mit keiner Minute an einen alles liebenden und umsorgenden Gott glauben wollte. Ich sah die Schlammschlacht-Trennungen, die gebrochenen Herzen und die Gewalt, weshalb ich noch weniger an die allgemeine reine Liebe und die Verbundenheit aller glauben konnte. All das ergab keinen Sinn.

Wie konnte ein so fürsorglicher Gott den so viel Schmerz zulassen? Wie konnte es sein, das Mutter, Vater, Bruder und Schwester sich gegenseitig Schwerter in die Kehle rammten, wenn wir doch alle miteinander verbunden sind?

So blieb ich ungläubig und stolze Atheistin. Stolz darauf in meinem Herzen keinen Funken zu tragen der mich leitet. Stolz darauf ohne Liebe durchs Leben zu gehen. Stolz darauf von all den Verletzungen verschont zu bleiben – zumindest oberflächlich, auf den ersten Blick. Erst viele Jahre später erkannte ich, dass mich mein fehlender Glaube zu einem eiskalten Menschen machte. Verbittert, traurig und krank lebte ich, nein vegetierte ich vor mich hin. Natürlich versuchte ich nach Außen hin stark zu sein, mir nichts anmerken zu lassen, doch auch hier entdeckte ich einige Zeit später, dass ich mich nur in einer Illusion vergrub. Ich war weder stark, noch konnte ich irgendwem etwas vormachen. Ich konnte meine Hoffnungslosigkeit nicht verbergen, trotz dessen, dass ich überzeugt davon war, dass niemand in mein Innerstes sehen konnte. Ich lag falsch. Wer in meine Augen sah, brauchte ein Blick, um zu erkennen, dass hinter jedem Lächeln eine Seele steckte, die umhüllt von Schmerz, Hass, Wut, Ablehnung, Todeswunsch und Zerstörung lebte. Ich war nicht die arme kleine Latifa, die von der Welt verlassen wurde. Ich war nicht das Wesen, dem nichts weiter übrig blieb, als sich in seinen Schmerz einzuhüllen. Nein! Ich war die junge Frau, der Teenager, der sich freiwillig aus vollster Entschlossenheit von der Liebe abwandte, um den Hass zu preisen. Ich trug Schwarz, beschallte mein Ohr mit düsterer Musik und warf jedem einen Blick des Todes zu, der es nur wagte mich anzusehen. Ein Lächeln meinerseits hatte niemand verdient. Schließlich war es doch meine Umwelt, die mir einst mein so ehrliches Lächeln nahm. Es waren meine nahestehenden Geliebten, die mir mein Herz herausrissen und es vor meinen Augen mit Füßen zerquetschten.

Warum also sollte ich auch nur einen Menschen wieder in die Nähe meiner Liebe lassen? Warum sollte ich jemanden mit meinem Lächeln beschenken, wenn er oder sie es im nächsten Moment für immer zu stehlen versuchten, weil auch ihnen einst das Lächeln gestohlen wurde?

Ich fürchtete mich so sehr vor dem Schmerz, der von einer geliebten Person verursacht werden kann, dass ich beschloss nie wieder zu lieben. Zumindest nicht richtig. Zumindest nicht ohne Zweifel und niemals aus vollstem Herzen. Doch vor allem schwor ich mir nie wieder zu glauben sowie zu hoffen. Denn, wer hofft oder glaubt, der konnte lange auf sein Glück warten…

…So zog ich eiskalt durchs Leben und erntete anstatt Schutz noch mehr Verletzungen. Auch meine kalte Aura hielt den Schmerz nicht davon ab, sich in meinem Körper zu manifestieren. All meine Schutzmauern und Boshaftigkeit hielten die Menschen um mich herum nicht ab, mir zu Nahe zu kommen, über meine Grenzen zu gehen und dabei meiner Seele – an die ich nicht glaubte – Schaden zuzufügen. Ich wusste nicht mehr weiter, ich hatte genug Schmerz, Gewalt, Trauer und Leid geerntet – genug für 10 Leben sagte ich mir immer wieder. Ich wollte nicht mehr und ich konnte nicht mehr. Mein Körper fühlte sich genauso schwach an, wie auch mein Geist es war, sodass nur eine Lösung für mich in den Sinn kam: der klassische Freitod.

Ein Mann der betet und vor Gott zu Boden fällt, begleitet von einem Zitat, das zum Glauben führt
Illustration: Latifa Warrelmann

So tat ich alles, alles um zu sterben. Ich spritzte mir jegliche Reinigungsmittel, sprang von Brücken, nahm Drogen und schnitt mir in die Arme, bis meine Knochen zu sehen waren. Ich schloss mich wochenlang in einen Raum ein, ohne Nahrung ohne Trinken, um elendig zu verenden. Doch statt zu sterben begegnete ich meinen inneren Dämonen. Bis dato hätte ich niemals für möglich gehalten zu welchen Taten die Psyche im absoluten Ausnahmezustand imstande ist. Erstaunlich, wie weit ich mich vom „Mensch-Sein“ distanzierte und zu irgendetwas abgrundtief Undefinierbares wurde. Ich belästigte, beleidigte und schlug meine Mitmenschen geleitet vom puren Hass. Da war nichts Menschliches mehr in mir, nichts das klar sehen konnte. Nichts das klar sehen wollte. Alles, was da von mir übrig blieb war der Wille zur Zerstörung. Nicht mehr und nicht weniger wollte ich sein, als der Grund für den Untergang eines anderen. Ich wollte jeden, absolut jeden genauso leiden sehen, wie auch ich innerlich litt. Ich wollte die Schmerzen in mir an einem anderen sichtbar machen, am besten mit Waffen, am liebsten durch Folter, so sehr war mein Herz durch die absolute Selbstaufgabe verdunkelt. Bei Gott! Es wäre noch schlimmer, noch kälter, noch schwärzer, noch hasserfüllter geworden hätte ich nicht auf die innere Stimme in mir gehört, die immer wieder wimmerte:

„Hör auf damit. Lass das alles sein. Geh fort von hier. Du bist nicht böse, doch wenn du so weiter machst, wird dich das Böse verschlingen. Hör auf damit. Bitte. Hör auf damit!“

Ich brach in Tränen aus, – für gefühlte Stunden – als ich das erste Mal die Stimme bewusst vernahm, denn ich wusste, sie hatte Recht. Ich war nicht böse. Ich wollte es nur sein, weil ich glaubte, dass es einfacher ist böse den Schmerz des Lebens zu ertragen, als ein liebevoller Mensch zu sein, der an dem Leid seiner selbst und dem seiner Umwelt zerbricht. Dennoch wollte ich der Stimme nicht gehorchen. Schließlich konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich oder andere mir jemals für die Dinge, die ich meiner Umwelt während meines abscheulichen Hasses antat verzeihen werden. Ich selbst wollte doch auch nicht jenen verzeihen, die mir Schaden zufügten.

Warum sollte mir, dann jemand verzeihen? Warum sollte jemand hinter das Böse in meinen Augen sehen wollen?

Ich sah keinen Ausweg und so versuchte ich weiter mir das Leben zu nehmen – vergeblich. Nachdem ich geschlagene drei Monate Tag ein Tag aus erwachte, um eine weitere Todesmethode auszuprobieren, gab ich mich geschlagen. Es hatte keinen Sinn. Ich starb einfach nicht. So sehr ich mich anstrengte, es klappte einfach nicht. Ich erlitt zwar Brüche, Krämpfe und bleibende Organschäden aber Tod war ich noch lange nicht. Also akzeptierte ich mein Schicksal am Leben bleiben zu müssen und lag weitere 2 Wochen einfach nur regungslos im Bett und starte einen Punkt an der Wand an.

Was sollte ich aus meinem Leben anfangen, wenn ich nicht sterben konnte?

Immer wieder fragte ich mich, ob ich über das Internet einen Auftragskiller engagieren sollte, der mich kurz und schmerzlos umbrachte. Vielleicht war das wirksamer. Allerdings schob ich den Gedanken beiseite, der Aufwand war zu groß und Geld hatte ich auch keines, um ihn zu bezahlen. Also musste eine andere Idee her. Ich starrte und starrte und hoffte auf irgendeinen Input. Irgendwas, das mich aus der grauenhaften Leere befreite. Doch da war nichts. Einfach nichts. Bis…

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Illustration/Text: Latifa A. Warrelmann

… eines Tages ein paar Maler die Fassade unseres Hauses strichen. Ich sah zu ihnen auf und entdeckte zum ersten Mal nach langer Zeit eine Blume, die durch die Sonnenstrahlen zu Leuchten schien. Der Anblick war so wunderschön, das es mich ans Fenster zog. In diesem Moment schossen mir Tränen in die Augen, weil ich erkannte, dass das Leben auch ohne mich weiter lebte. Mittlerweile war schon Spätsommer ins Land gezogen. Als ich das letzte Mal bewusst aus dem Fenster sah, begannen die Blumen gerade erst zu blühen und die Bäume wieder grün zu werden. Das Leben ging ohne mich weiter. Es kümmerte sich nicht um meine Belange, es kümmerte sich nicht um mein Fehlen. Diese Tatsache schockierte mich so sehr, dass ich zu denken begann. Mir wurde bewusst in welcher Isolation ich mich befand. In einer Welt fernab von der Realität, die selbst mein schlimmster Feind nicht wünschte.

Mit einem Mal erkannte ich den Wert meines Lebens und das der anderen. Ich erkannte, dass mir die Chance zuteil wurde zu Leben mit einem Verstand und einer Stärke, die ich für mehr, als nur meinen Tod einsetzten konnte. Mein Leben, FÜR das Leben und nicht dagegen. So begann ich mich vor über 9 Jahren auf eine Reise. Eine Reise die mich zwischenzeitlich so viel Kraft und Energie kostete, dass ich immer wieder glaubte an Schwäche zu sterben. Eine Reise, die mich so vieles lehrte, eine Reise in welcher ich mehr, als nur einmal dem Göttlichen begegnen durfte. Ich hätte niemals geglaubt, dass ich jemals der Liebe begegnen würde in all seinen Formen. Ich hätte niemals geglaubt, dass mir Menschen begegnen, die noch Schlimmeres meisterten und mit einem Funkeln in den Augen vor mir stehen, das ich nur aus Geschichten im Fernseher kannte. Ich hätte niemals geglaubt zu welchen glorreichen Taten, zu welchen Fähigkeiten der Mensch alles in der Lage ist und es schon drei Mal nicht erfahren, hätte ich nicht vor 9 Jahren auf diese innere Stimme in mir gehört. Die Stimme, die wir alle in uns tragen.

Eine so sanfte Stimme, die in der Lage ist uns Menschen zu leiten ganz egal in welcher misslichen Situation wir uns gerade befinden. Die Stimme, die uns Trost spendet, wenn wir im Badezimmer an der Wand entlang zu Boden fallen, weil wir uns dem Ende nahe fühlen. Die Stimme, welche die Sätze anderer bereits im Kopf beendet, noch bevor das Gegenüber sie ausspricht. Die Stimme, die einzig und allein deshalb funktioniert, weil wir alle miteinander verbunden sind und alle etwas Göttliches in uns tragen.

… Wer hätte das gedacht?

Heute, 9 Jahre später lebe ich als Mensch reinen Herzens ein liebevolles Leben. Natürlich befinde ich mich noch immer auf Reisen und in der Schule des Lebens, – mal mehr mal weniger – doch im Herzen und Geiste bin ich angekommen und gelehrt. Angekommen mit einem Sack voll Erfahrungen, die mich lehrten, dass die Wissenschaft auch „nur“ aus den Gedanken eines anderen Menschen entspringt und das göttlich Spirituelle zwar immer noch nicht sichtbar machen lässt, aber mit einem offenem Herzen erfahren werden kann.

In dem Sinne: es ist alles möglich, wenn du daran glaubst und dir selbst vertraust.

Namasté, Peace, Love & Respect

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