Vorurteile, wir alle haben sie, wir alle mögen es nicht in eine Schublade gesteckt zu werden, dennoch kommen wir nicht drum herum andere einzuordnen. Warum sind Vorurteile überlebenswichtig und wie können wir lernen mit ihnen umzugehen, ohne uns und andere einzuschränken? Außerdem 10 Fragen, die dein Schubladendenken erklären.


Sapere aude – wage es, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Doch was, wenn dieser dein Urteilsvermögen trügt?

Eine weiße Frau kann keine Beziehung mit einem schwarzen Mann führen. Ein Künstler ist ausnahmslos kreativ, Polizisten stetig gesetzestreu, männliche Muslime unterdrücken ihre Frauen, dunkelhäutige Menschen können alle tanzen und Schwaben sind alle grundsätzlich geizig.

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Stereotypen und Vorurteile vereinfachen und entlasten das Leben in einer von Informationen überfüllte Welt. Innerhalb Millisekunden analysieren wir Menschen unser Gegenüber und ordnen ihn in eine Schublade, ganz gleich, ob Mensch, Tier, Pflanze oder Gegenstand. Treffen wir auf eine Person sortiert das Gehirn aufgenommene Informationen und gleicht diese mit bereits bestehenden Erfahrungen ab. Dieser Prozess geschieht subjektiv und kann nur in den seltensten Fällen objektiv ablaufen. Schließlich ist jede Erfahrung eines Individuums verbunden mit den jeweiligen Emotionen einzigartig.

Bedeutet dies, dass der Mensch zu vorurteilsfreiem Denken & wahrnehmen nicht imstande ist? 

Jaein! In gewisser Hinsicht kann der Mensch schon allein wegen seiner Natur nicht anders als kategorisieren, einordnen und abschätzen. Das geht auch nicht anders zumindest nach aktuellem menschlichen Entwicklungsstand. Denn, eben diese Fähigkeit sichert unser Überleben. Menschen einzuordnen ermöglicht abzuwägen, ob es sich bei unserm Gegenüber um einen Gleichgesinnten oder Gegner handelt. Werden wir mit der Person das Glück finden, uns weiterentwickeln oder eine waghalsige Lebensphase beginnen, die uns zum Ende in den Tod führt? All das wägt der menschliche Verstand innerhalb kürzester Zeit – dank seiner bereits geschaffenen Schubladen – ab. Vorurteilsvolles Denken ist daher bis zu einem bestimmten Grad notwendig, natürlich und nicht anders möglich.

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DOCH, wie alles im Leben können unsere Vorurteile sowie Schubladen sich verändern. Ein fremdenfeindlicher Mensch muss nicht auf ewig glauben, dass die „Anderen“ einem an den Kragen möchten und ein Systemkritiker muss nicht bis ans Ende seiner Tage an dem Politik abwertendem Glauben festhalten.

Vorurteile basieren – wie bereits erwähnt – auf Erfahrungen, die wir zu Beginn unseres Lebens kaum bis gar nicht beeinflussen können. So werden wir mit Eindrücken, Glaubenssätzen als auch Urteilen unserer Umwelt konfrontiert und nehmen diese in den meisten Fällen an.

Ein Kind, das mit der Ideologie aufwächst, dass lediglich Markenkleidung gepaart mit einem bestimmten Auftreten Erfolg erzeugen, hält alle anderen, die auf diese verzichten für gescheiterte Existenzen. Ähnlich geht es einem Mädchen, das durch die Erfahrung seiner Mutter geprägt ist. Von dieser lernte es: alle Männer sind Betrüger, Loser und gewalttätige Arschlöcher. Das zur Frau herangewachsene Mädchen geht mit dem Vorurteil: alle Männer behandeln sie schlecht, durchs Leben. Bis sie einen Mann erlebt, der ehrlich, liebevoll und respektvoll mit ihr umgeht. Mit diesem Mann erhält sie eine neue Erfahrung, welche wiederum das vorurteilsvolles Denken in urteilsfreies Denken umwandelt.

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Neue Erfahrungen, Offenheit und Selbstreflexion stärken urteilsfreies Denken!

Mit ungewohnten Erfahrungen können wir Menschen bestehende Systeme (Gedankenmuster) verändern. Hierzu müssen wir allerdings eine Portion Mut und Offenheit hervorbringen. Wer sich bewusst dazu entscheidet typwidrige Situationen zu erleben oder offen/mutig ist bei neuen Erlebnissen in der Situation zu bleiben kann sein System neu vernetzen.

So wird aus einem scheinbar frauenverachtenden Muslimen bei näherem Hinsehen ein rücksichtsvoller aber auch liebevoller Ehemann. Aus dem kreativen Künstler kann ein einfallsloser Artist werden, der auch mal seine kreativ freien Tage genießt. Nicht nur genaueres Hinsehen und auf neue Situation einlassen hilft Vorurteile abzubauen und reelle Gefahren von illusionären Gefahren, also angeeigneten/unwirklichen Bedrohungen zu unterscheiden, auch Selbstreflexion kann hilfreich sein.

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Sehe dich genau an, um zu erkennen, was in dir steckt. Foto: tCl

So setzt du Selbstreflexion ein, um offen auf deine Mitmenschen zuzugehen: hinterfrage dich!

Schnappe dir ein Blatt Papier und einen Stift. Notiere dir die folgenden 10 Fragen. Lasse dabei Platz zwischen jeder Frage, um deine Antwort einzutragen. Achte dabei, dass du schreibst, was dir in den Sinn kommt. Denke nicht zu viel dabei nach, sondern lass dein Herz für dich schreiben.

10 Fragen, die dein Schubladendenken verständlich machen.

  1. Was für Stereotypen stecken in meinem Kopf?
  2. Was halte ich von Personengruppe X (Beispiel Frauen/Männer)
  3. Weshalb stehe ich so zu dieser Personengruppe?
  4. Woher gründet meine Meinung zu diesen Menschen?
  5. Habe ich die Meinung von anderen angenommen, wenn ja von wem?
  6. Hab ich die Meinung durch eigene Erfahrung gewonnen, wenn ja durch welche?
  7. Gründet meine Meinung auf ein einziges Erlebnis oder auf mehreren Begebenheiten?
  8. Wie lange liegt meine Erfahrung in der Vergangenheit?
  9. Haben sich die Situationen oder Personen mittlerweile verändert, wenn ja warum halte ich noch immer an meinem Vorurteil fest?
  10. Welche Vorteile/Nachteile bringt das Vorurteil mit sich?

Mit einem reflektierten Bewusstsein kannst du den Ursprung deiner Vorurteile verstehen und sie ggf. lösen, wodurch sich die Tür zu neuen Erfahrung sowie der Entwicklung deiner Persönlichkeit öffnet.

Ja, der Mensch kann den Verstand ohne weiteres trügen. Er ist in der Lage Gedanken zu pflanzen, die der persönlichen Aufklärung im Wege stehen. Er kann seine Mitmenschen in Monster verwandeln, sie in Schubladen stecken, wo sie nicht hineingehören und vergessen lassen, dass ein jeder aus mehr als einer Facette besteht. Zu Recht lautet daher der Wahlspruch der Aufklärung: Sapere aude!  Wage es, weise zu sein und habe Mut dich deines Verstandes zu bedienen. Daher schaue tiefer und lasse dich überraschen. Wer weiß, was sich in der Tiefe verbirgt?

Peace and Love <3

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