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Crazys Spirit

Wut, so lässt du sie gehen

Schön, dass du da bist. Du möchtest deine Wut verstehen und aus ihrer zerstörerischen Kraft Energie für deine Vorhaben schöpfen? In diesem Artikel lernst du mit deiner Wut umzugehen, doch zu nächst folgen ein paar Hintergrundinformationen – also Theorie. <3

In unserer Gesellschaft sowie in der modernen Psychotherapie gilt Wut noch immer als negatives Gefühl, welches es loszuwerden gilt. Dabei handelt es sich bei dieser kraftvollen Emotion, um ein äußerst effektiver Schutz. Wut möchte nichts weiter sagen als: Hey, das geht mir gewaltig gegen den Strich! Das passt mir nicht, das will ich nicht! Ändere das gefälligst! Wut zeigt uns unsere Grenzen auf. Haben wir sie über Jahre unterdrückt oder destruktiv zum Ausdruck gebracht richtet sie sich gegen uns. So fühlt sie sich schwer und unerträglich an. Wie du deine Wut verstehen lernst und sie zur richtigen Zeit ziehen lässt erfährst du heute hier.

Namasté, Love, Respect und Peace <3

Hallo, das ist Wut – eine Emotion stellt sich vor.

Mein Name ist Wut. Seit Urgezeiten lebe ich in Mensch und Tier. Ich werde oft nicht richtig verstanden und das macht mich. Ja es macht mich… … so wütend. Deshalb trage ich auch den Namen Wut. Ich entwickle dann plötzlich eine Kraft, mit welcher ich selbst Bäume ausreisen könnte. Manchmal verletzt ich dabei Menschen ganz gleich, ob schuldig oder unschuldig. Sogar dem Menschen indem ich innewohne bereite ich Verzweiflung und blanke Ohnmacht. Dabei möchte ich doch einfach nur verstanden und gesehen werden. Möchtest du zuhören oder eher lesen, wer ich wirklich bin?

Wut, wenn wir dieses aufbrausende Gefühl spüren, scheint es, als gäbe es nichts auf der Welt, dass uns wieder zu Boden bringen kann. Die Kraft der Wut verhält sich so stark, dass es kaum möglich scheint sich ihrer zu entziehen. Spüren wir sie fühlen wir uns ohnmächtig in ihr gefangen und wollen sie augenblicklich wieder loswerden. Dabei nutzt jeder Mensch ein unterschiedliches Ventil. Die einen lernten ihre Wut konstruktiv also sinnvoll freizusetzen, indem sie über ihren Ärger sprechen, ihn in Kreativität also Songs, Zeichnungen, Putzen oder Sonstiges umsetzen. Wieder andere lernten sie destruktiv als schädlich für sie selbst und ihr Umfeld frei zusetzen, indem sie andere für etwas verantwortlich machen, Gewalt ausüben, sich selbst schädigen, sich selbst Liebe entziehen, zu viel essen oder fahrlässig mit sich selbst oder ihrem Umfeld umgehen. Ein anderer Teil – ebenso von Bedeutung – durfte niemals seinen Gefühlen freien lauf lassen, wodurch sich die Wut tief in einem selbst manifestierte. Unterdrückt schlummert sie tief und wartet auf den Moment – das könnte bereits ein Wort oder eine einfache Geste sein – bis sie ausbrechen kann.

Warum fürchten sich so viele vor der Wut?

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Die Wut möchte vieles. Sie möchte dich retten, dich heilen und einfach nur bei dir sein. Illustration: Latifa Warrelmann

Jahrelang galt Wut in der Psychologie und teilweise noch heute als negative Emotion. In den meisten Kulturen wird ein wütender Mensch mit Verachtung betrachtet. Wer Wut in sich spürt, ist böse – glauben viele, wer Wut in sich spürt verletzt sich und sein Umfeld. Kein Wunder, schließlich kennen die meisten Wut nur in Kombination mit Gewalt. Allein schon die Menschheitsgeschichte zeigt, das unsere Beziehung zur Wut eher negativ behaftet war. Noch vor wenigen Jahrhunderten war es üblich, seine Wut an allem und jedem auszulassen. Man ließ seinen Nachbarn verbrennen, wenn einem sein Gesicht nicht passte. Menschen wurden auf den Straßen aufgehängt, ausgepeitscht und niedergemacht. Man sah ständig in wütende und verärgerte Gesichter. Auch heute neigen wir eher dazu unsere Wut unkontrolliert als bedacht freizugeben. Natürlich wirkt und ist das für das Umfeld beängstigend, wenn ein aufbrausender Mensch wütet. So ist die Wut an das Böse verknüpft und dies gilt es auf gar keinen Fall an die Oberfläche zu gelangen. Weshalb wir bei Aufsteigender Wut in vielen Fällen zur Unterdrückung greifen, sobald sie sich bemerkbar macht. Dabei ist die so heftige Emotion einfach nur ein Schutzmechanismus. Eine Leidenschaft, die uns hilft unsere Grenzen abzustecken und uns zu melden, wenn wir verletzt wurden.

Höre dir den „Wut-Podcast“ an, falls dir nicht nach lesen ist. <3

Die Wut zeigt uns: Halt hier läuft etwas gewaltig schief. Es ist nicht gut, wie du gerade mit mir umgehst. Es ist nicht gut, dass die Situation ist, wie sie ist. Ich stimme damit nicht überein und eigentlich, ja eigentlich möchte ich das so nicht.

Die kraftvolle Emotion zeigt dir ganz klar auf, wenn dir etwas gegen den Strich geht. Eigentlich hervorragend. Denn wie oft gehen wir gegen unsere eigenen Grenzen, weil wir glauben es so anderen Recht zu machen? Wie oft lassen wir zu, dass andere unsere Grenzen überschreiten, weil wir glauben sonst alleine oder ungeliebt zu sein?

Die Wut möchte dir sagen: Halt, hier gehst du zu weit. Schütze dich, sonst verletzt es dich und du wirst noch lange damit zu kämpfen haben.

Sollte die Wut nicht eigentlich zu meinem Schutz dienen? Warum taucht sie dann manchmal in Situationen auf, in welchen ich keine Wut spüren sollte? Zum Beispiel, wenn ich mit meinem Partner Zeit verbringe und er etwas zu mir sagt? Plötzlich taucht die Wut auf, löst einen Streit aus, welcher dann zur Eskalation führt und all das nur wegen eines Wortes, das ich oftmals „falsch“ interpretiert habe.

Auch dieses Phänomen lässt sich einfach erklären. Wie jede Emotion ist auch die Wut an bestimmte Erfahrungen gekoppelt und reagiert bei bestimmten Signalen. Diese können ganz unterschiedliche sein und aus diversen Quellen entspringen. Damit es dir leichter fällt, deine mögliche Ursache herauszufiltern nenne ich dir nun ein paar mögliche Gründe (Einen heute und das nächste mal den anderen):

1. Wut der Ahnen

Diese Erfahrungen musst du nicht immer erlebt haben. Manchmal wird die Wut durch deine DNA also den Erfahrungen deiner Eltern, Großeltern, Urgroßeltern usw. angestachelt. In solchen Fällen reagiert die Emotion auf eine Erfahrung die bereits Verletzung verursachte. Die Wut weiß, sobald ein bestimmtes Signal, Wort, eine Geste oder Erfahrung passiert, muss sie an die Oberfläche und sich für dich einsetzen. Das heißt, irgendwann in deiner Ahnengeschichte kam es zu einer Verletzung, die nicht verarbeitet wurde und wie ein auf Dauerschleife gesetzter Film permanent ablauft. Ein Beispiel: Deine Urgroßmutter wurde über ihre ganze Ehe hinweg gedemütigt. Weil es die Zeit und die Umstände erforderte nahm sie es hin, dennoch spürte sie Wut ihn sich, sobald ihr Mann wieder anfing sie zu beleidigen oder kleinzuhalten. Ihr ganzes Leben über hatte sie die Wut geschluckt und an deine Großmutter weitergegeben. Nehmen wir einmal an, dein Urgroßvater begann seine Demütigungen immer mit den Worten: Ach, was willst du schon wieder? Dieser eine Satz speicherte sich in das Gehirn deiner Urgroßmutter, koppelte sich an die Wut und setzte sich in ihr fest. Jedes Mal, wenn sie diesen Satz hörte – ganz gleich, wer ihn sprach – konnte sie nicht anders als vor Wut zu kochen. Schließlich hatte ihr Unterbewusstsein abgespeichert:

Ach, was willst du schon wieder? = Ich bin wertlos, ich bin falsch, ich sollte nicht hier sein, ich bin böse.

Nun gab sie diese Verknüpfung an deine Großmutter weiter, welche ebenso sofort mit Wut auf folgende Frage reagierte : Ach, was willst du schon wieder. Auch diese konnte sich nicht mit ihrer Wut auseinandersetzen und gab sie weiter an deine Mutter, welche sie letztendlich an dich weiter gab. Nun wurdest du nie von deinem Mann gedemütigt oder beleidigt, trotzdem kannst du bei diesen Worten Wut in dir aufkochen spüren. Du kannst nichts dagegen tun und es noch weniger verstehen, schließlich war ja nichts geschehen – zumindest nicht offensichtlich.

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Sekündlich passieren so viele Dinge, dass wir manchmal gar nicht herausfiltern können, weshalb wir reagieren, wie wir reagieren. Illustration: Latifa Warrelmann

Wie verhinderst du nun derartige Konflikte? Wie löst du alt eingespeicherte Triggerpunkte wieder auf?

Zunächst einmal muss man sich seiner Wut bewusst sein. Bedenke allerdings: Persönlichkeitsentwicklung ist kein Zuckerschlecken. Es bedarf Arbeit, Disziplin, Ausdauer und gleicht oftmals einem Full-Time-Job. Sei dir also bewusst, wenn du in die Tiefen deiner Selbst steigst, dich zu verstehen beginnst, erst einmal mit einer Schwere konfrontiert wirst, bevor du die Leichtigkeit erleben darfst. Deine Gefühle lassen sich nicht einfach biegen, auch dein Verstand möchte sich nicht einfach drehen lassen. Alles braucht seine Zeit und je nach Thema, das du angehst kann es auch Jahre dauern, bis es sich löst. Nimm dir daher Zeit und setze dich nicht unter Druck. Hast du das geschafft darfst du verstehen.

Wird deine Wut der Situation gerecht oder stammt sie aus vorherigen Generationen oder gar einem Traumata? Dafür solltest du dich über einen Zeitraum von mindestens 14 Tagen beobachten. Notiere, wann deine Wut auftauchte, wann sie wieder verschwand und in welcher Intensität sie sich bemerkbar machte. Wichtig ist, dass du deine Wut nur beobachtest und sie nicht bewertest. Entspanne dich, lasse zu und nehme an. Versuche sie nicht zu verdrängen oder ganz schnell wieder loszuwerden. Schau sie an und überlege, was sie dir sagen möchte. Stelle dir dabei folgende Fragen:

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Die Wut möchte dir nur helfen
  • Warum bin ich jetzt wütend?
  • Was hat mich wütend gemacht?
  • Worauf hat meine Wut reagiert?
  • Stimmt die Situation mit meiner Wut überein?
  • Besteht tatsächlich eine Gefahr, die mich wütend machen soll?
  • Geht gerade jemand über meine Grenzen? Wenn ja, auf welche Art und welche Erinnerungen löst es in mir aus?

Kleiner Tipp: Bist du auf Arbeit oder gerade unterwegs, versuche dich aus der Situation kurz herauszunehmen, dir einen Zettel oder dein Handy zu schnappen und beginne mit deiner Kurzanalyse. Am besten besorgst du dir ein kleines DIN A5 Büchlein. Eine Art Emotionstagebuch. Darin kannst du dir die Fragen mit freien Spalten bereits im Vorfeld notieren, sodass du einfach nur noch ausfüllen musst, wenn es soweit ist.

Wie es weiter geht und, weshalb du wegen traumatischer Erlebnisse Dinge hörst und siehst, die keiner gesagt und getan hat erfährst du das nächste Mal.

Viel Spaß auf deiner Reise kleiner Buddha

Namasté, Love, Respect und Peace <3

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