Kennst du diese verflixten Tage, an welchen einfach alles ganz anders als geplant verläuft? Solche Tage, an denen man lieber einfach nur im Bett geblieben wäre, denn alles, was in die Hände fällt zerbricht. Das sonst so geordnete Leben gerät voll und ganz aus den Fugen und einfach alles, ja alles steht verrückt.


Ludwigsburg, 10.08.2018 – Mit dem Motiv, die Punkte des Alltags am nächsten Tag abzuarbeiten, stelle ich mir am Abend zuvor gleich mehrere Wecker. Es steht viel an. Morgens um 5 Uhr sollte mein neuer Tag beginnen. Stattdessen finde ich mich um 7 Uhr hektisch im Bad wieder. Schnell anziehen, schnell Zähneputzen und dann schnell los. Was für eine Ordnung am Morgen!

Frau verschlafen, morgens dunkelhäutig
Morgens um 7 Uhr, viel zu spät aufgwacht und total verschlafen.

Bevor ich die Haustüre öffne und meine Reise antrete, stoße ich mit der Stirn an der spitzen Kante des Türbogens. Autsch! Keine Ahnung wie das passieren konnte! Egal, ich bin spät dran. Es bleibt nicht mehr viel Zeit. Habe ich alles? Sicher, denke ich mir und gehe meines Weges.

Okay im Bus kann ich mich sortieren. Also krame ich aus den tiefen meiner Tasche ein weißes Papier und einen Kugelschreiber hervor. Doch anstatt Worte landen nur starre Blicke auf meinem leeren Blatt. Egal nichts muss, alles kann! Es ist ein wunderschöner Tag, denke ich mir! Ich genieße die Ruhe in meinem Kopf, schließlich darf ich sowieso in den nächsten Stunden konzentriert arbeiten, also kann ich jetzt auch die Stille genießen.

Gesagt getan, die Ankunft am Bahnhof naht. Der Bus hält an, ich steige aus und in mir steigt der Schreck auf. Ich habe die Produkte für meine Kundin vergessen! Mist! Ohne Produkte keine Dienstleistung und ohne Dienstleistung keine Arbeit! Toll vier Stunden werde ich mich nun verspäten, wenn ich den Auftrag überhaupt noch ausführen darf. Kurze Panik steigt auf. Spätestens hier hätte ich ahnen erkennen dürfen, was gerade vor sich geht. Okay, tief Luft holen! Ärger ist nun fehl am Platz – schließlich hilft er nichts. Also Kundin anrufen, Bescheid geben und wieder zwanzig Minuten zurückfahren, die Sachen holen und abermals meines Weges gehen.


Leerer Bus, Dunkel, Kalt,
Foto: Archiv
Die Atmosphäre im Bus wirkt düster, wenn man es eilig hat.

Gestern hatte ich beschlossen noch ein paar Minuten länger wach zu bleiben, um Zeit in die Vorbereitung zu investieren. In Perfektion stellte ich die liebevoll bepackten Taschen neben die Eingangstür. Na ja, das war gestern, heute befinde ich mich in einer anderen Zeit mit anderen Begebenheiten. Wie zum Beispiel der Tatsache, dass ich im falschen Bus sitze! Ernsthaft? Mann, auch das noch!

Ich komme zwar zu Hause an, allerdings fünfzehn Minuten später als geplant. Mist! Zeit ist Geld. Die Verspätung kostet mich meinen Anschlussbus, wodurch ich mich wieder um eine dreiviertel Stunde verspäte. Mist! Ich brauche dringend ein Auto, denke ich mir und informiere die Kundin über den aktuellen Status. Was ist nur heute los?

Umso mehr ich versucht bin „das Richtige“ zu tun, umso mehr zeigte mir das Leben, dass ich vollkommen falsch liege. Zuhause angekommen hole ich erst einmal tief Luft. Es ist so, wie es ist, ich kann die Ereignisse nicht mehr verändern, aber vielleicht aus ihnen lernen. Also gemütlich und in aller Ruhe, Schritt für Schritt nochmal prüfen, ob ich auch alles dabei habe. Jap, alles da, also auf ein Neues.


Das zweite Mal klappt die Reise schon viel besser. Der Bus fährt pünktlich ein, kommt überpünktlich an, sodass mir noch fünfzehn Minuten Zeit für mich bleiben. Herrlich. Das Warten auf meine nächste Anschlussmöglichkeit versüße ich mit Sonnenbaden am Bahnhof. Das ist zwar nicht der Strand von Rhodos, aber in dieser Situation kommt mein Entspannungsgefühl dem Strandfeeling gleich. Herrlich.

Die Entspannung regt meinen Kopf zum Nachdenken an. Zwischen Chaos und Perfektion gefangen versuche ich all meine täglichen Aufgaben, zu meistern. Anstatt des Erfolges ernste ich allerdings Misserfolg oder einfach ein anderes Ergebnis, als das in meinen Plänen. Mein ausgeprägter Wille entpuppt sich somit zum Stolperstein. Mit dem Wunsch das Leben nach meinen Vorstellungen zu lenken, nehme ich mir selbst die Flexibilität und Offenheit auf Problemstellungen einzugehen.

Ich war vollkommen darauf fokussiert pünktlich bei meiner Kundin vor der Tür zu stehen, dass ich alles andere, außer acht ließ, wie zum Beispiel die Tasche voller Arbeitsmaterialien und Produkten. Alles um mich herum rückte in den Hintergrund und damit war der verflixte Tag geboren. Ich schaffte mit meinem hektischen Handeln nicht etwa den perfekten Tagesablauf, den ich mir wünschte, nein ich erzeugte Chaos durch meine beschränkte Erwartungshaltung. Ich hatte lediglich die pünktliche Ankunft im Sinn und dabei andere Faktoren zur Seite gelegt. Dazu zählten Müdigkeit durch das viele Arbeiten, die ungeschickte Platzierung der Taschen – nämlich hinter der Tür – und mein lautloses Handy, das zwar den Wecker anzeigte, aber keinen laut von sich gab. Ja, all das waren Faktoren, die den heutigen verflixten Tag begünstigten. Verflixt!

Habe ich wenigstens etwas daraus gelernt oder erkannt?

Ja ich denke schon! Das nächste Mal stelle ich mein Handy auf Laut, packe die Taschen VOR die Tür und lege mich früher schlafen.

Wekcer, Hintergrund, Reot, New fahshon,
Foto: Archiv
Manchmal braucht es ettliche Wecker um zurück in die weltliche Zeit zu finden.

Oberflächlich gesehen mögen diese Maßnahmen ausreichen, allerdings wäre es damit auf den tieferen Ebenen nicht getan. Ich stand unter Strom und das nicht erst als ich auf meinen Wecker sah und registrierte, dass es bereits viel zu spät war. Ich war so im Stress, dass ich vor Nervosität, die Nacht zuvor nicht einschlafen konnte und somit viel zu spät im Träumeland herumstolzierte. Ich war so krampfhaft darauf fixiert pünktlich, nein überpünktlich aufzustehen, das ich mir gleich 7 Wecker stellte. Schon da hätte ich mir sagen sollen: Nur die Ruhe junge Frau, lass dir Zeit und falle entspannt in den Schlaf. Hör auf, zwischen den Welten zu stehen und finde Perfektion in der Ruhe und im Loslassen des Chaos.

Wenn auch du dich im Chaos gefangen fühlst, tretet einen Schritt zurück hole tief Luft und starte nochmal ganz in Ruhe von vorne.

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